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Freistaat Schauen

Ein selbststänidiger Miniaturstaat

  126 Jahre lang war Schauen eine selbstständige Freie Reichsherrschaft im Deutschen Reich. Der Kammerpräsident des Fürstentums Hannover, Geheimrat Otto Grote, kaufte 1689 Schauen vom Fürst Waldeck. 48000 Taler bezahlte Grote für Schauen, und er erhielt vom Fürsten Unterstützung für sein Gesuch beim Kaiser, die Standeserhöhung zu einem reichsfreien Herrn von Schauen zu erhalten. Schauen - es gab 50 Häuser und 200 Bewohner - war damit eines der kleinsten selbstständigen Gebietsteile des alten Reiches. Die Staatsbeamtenschaft setzte sich aus Amtmann, Pfarrer, Schulmeister, zwei Bauermeistern und einem Förster zusammen. Kam Gewalt von außen, so war das kleine Land völlig wehrlos. Es war nicht völlig wehrlos, schließlich hatte Schauen sogar eine eigene Armee bestehend aus 6 tatkräftigen Männern. Mit dieser Armee trug Schauen so manchen Kleinkrieg zwischen sich und Osterwieck um irgendwelche Kleinigkeiten aus.
Nur vier Jahre konnte Otto Grote die Herrschaft über Schauen wahrnehmen. Er verstarb 1693 in Hamburg und wurde in der von ihm erbauten Schauener Kirche beigesetzt. Insgesamt acht Reichsherrn der Familie Grote brachte die Geschichte hervor, der letzte war Georg Ernst Karl Grote. Nicht immer waren es die Söhne der vorherigen Generation, die das Amt übertragen bekamen. 1753 wurde zum Beispiel ein Vetter Reichsfreiherr. Und als 1764 wieder ein Grote ohne männlichen Nachwuchs geboren war, stritten sich Nebenlinien sechs Jahre lang, wer der neue Reichsfreiherr wird.
1777 gab es in Schauen eine Hinrichtung. Ludwig Grote, der sechste Reichsfreiherr, ließ das Todesurteil, nachdem er ein Gutachten der Göttinger juristischen Fakultät eingeholt hatte, gegen Matthias Mumbrauer durch das Schwert vollstrecken. Der Bauernsohn hatte die Dienstmagd Marie Söchting mit einem Beil erschlagen. Die Hinrichtungsstätte befand sich im Schauener Holz.
Aus der Geschichte ist 1787 eine Revolution überliefert. Ein herrschaftlicher Diener, Rudolph Roehrs, hatte sich selbst umgebracht. Daraufhin verhinderte die Gemeinde die Beerdigung des Selbstmörders auf dem Friedhof. Reichsfreiherr Ferdinand Grote erbat sich daraufhin militärische Hilfe vom Preußenkönig. Mit 43 Grenadieren rückte ein Kommando in schauen an. Einer der Gemeindegeschworenen wurde als Haupträdelsführer festgenommen, ansonsten wurden Geldstrafen verhängt.
Die Gründung des Königreichs Westfalen durch Napoleon bereitete im Jahre 1807 das Ende der Hoheitsrechte des achten und letzten regierenden Reichsfreiherrn, Georg Ernst Karl Grote. Die Gemeinde Schauen richtete an den Westfälischen König die Bitte um Einverleibung in den neuen Staat. Ein königlicher Bürgermeister wurde ernannt, dem der bisherige Landesherr unterstellt wurde. Der Protest des Reichsfreiherrn verhallte wirkungslos. Als das westfälische Reich 1813 auseinander fiel, versuchte Grote seine Rechte als Landesherr wieder auszuüben. Doch hatte er dabei nicht mit den staatlichen Verhältnissen gerechnet. Am 21. Juni 1815 wurde Schauen offiziell mit dem Staat Preußen vereinigt. War Grote seinen Titel auch los, so hatte sich aber an seinem Einfluss nichts geändert.
1945 wurde Familie Grote aus Schauen vertrieben.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Kirche von Schauen

 

Reichsfreiherr baute Gotteshaus


Eine Kirche wurde in Schauen schon im Jahre 1200 urkundlich erwähnt. Damals übertrugen die Grafen von Wernigerode das Schutzrecht der Kirche auf das Kloster Walkenried.
Es hatte im Mittelalter zwei Kirchen gegeben - in Bruchschauen und Mönchschauen. Der Bischof von Halberstadt erlaubte es 1309 dem Kloster Walkenried, das Gotteshaus in Bruchschauen abzubrechen, weil die Befürchtung bestand, dass in jener an Kämpfen reichen Zeit der Turm Feinden als Stützpunkt dienen könnte. Die Kirche von Bruchschauen wurde mit der Kirche von Mönchschauen vereinigt, Altar und Ausstattung wurden nach Mönchschauen gebracht.
Dort stand die Kirche auf dem Mönchhof, dem späteren Amt in der Mitte der heutigen Amtsgebäude. Sie ragte mit ihrem westlichen Teil über den Hof hinaus. Die Gemeinde hatte Zugang von der Dorfstrasse aus in der Nähe der heutigen Kirche. Es wird vermutet, dass die Kirche dem Heiligen Stephan gewidmet war. Das Gotteshaus galt als bescheidener Bau. Noch1682 wurde eine gründliche Reparatur an dem Bauwerk vorgenommen, das eines der ältesten in der Gegend gewesen sein muss.
Die heutige in Schauen stehende Kirche erbaute im Jahre 1690 der erste Reichsfreiherr von Schauen, Otto Grote - ein Jahr nachdem er Schauen erworben hatte. Die Kosten von 2579 Taler, 8 Groschen und 5 Pfennig hatte Grote fast völlig allein getragen. Der Bau begann am 1. April 1690, die Steine waren bereits im Dezember des Vorjahres aus Dardesheim angefahren worden. Am 30. Oktober 1690 wurden die Knöpfe auf Turm und Kirchendach aufgesetzt. Die Glocken wurden ein Jahr später am 31. März eingebaut. Am 31. Mai 1961 erhielt die Kirche den Altar, der in Hannover hergestellt wurde. Ausgepflastert wurde die Kirche aber erst im September 1962.
Die Schauener Kirche gilt als kleiner Bau mit einer einfachen Ausstattung. Sie hat zwei Glocken, die größere ist 1723 gegossen worden. Der Altar stammt ebenfalls aus dem 18. Jahrhundert, die Orgel von 1778.
Im Jahre 1990 feierte die Kirchengemeinde das 300jährige Jubiläum des Gotteshauses. Die Schauener hatten sich schon zu DDR-Zeiten immer um ihre Kirche gekümmert, so dass sie nie in einem schlechten Zustand war. Nach dem Ende der DDR waren somit nicht wie anderenorts umfangreiche Baumaßnahmen notwendig. sehr früh nach der Wende kümmerte sich die Kirchengemeinde darum, endlich auch die 40 Schauener Gefallenen des zweiten Weltkriegs zu ehren. In der Kirche wurde eine Tafel mit den Namen der Opfer zusammengestellt und aufgehängt.
Die Kirche hat in Schauen heute etwa 150 evangelische Gemeindemitglieder. Zweimal im Monat sowie an Feiertagen bittet Pfarrer Rolf Kups zum Gottesdienst. Alle zwei bis drei Jahre treffen sich alte Schauener zur Goldenen bzw. Diamanten Konfirmation. Eine Tradition, die stets guten Zuspruch findet.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Geschichte


Am Anfang stand eine Burg

Die erste urkundliche Erwähnung am 4. Juni 973 - von Otto II. in der, der Besitz des Erzbistums Magdeburg zu Schauen im Harzgau bestätigt wird ist noch lange nicht der Anfang der Geschichte. Zu dem, was vorher war, lassen sich allerdings nur Vermutungen aufstellen. Als sicher gilt aber, dass Schauen schon in vorchristlicher Zeit bestanden hat, wahrscheinlich als Burg. Hinweise darauf geben die heidnische Grabstätten, die sich im Südosten, des heutigen Dorfes befunden haben.
Im zweiten Jahrhundert brachten Völkerbewegungen viele Veränderungen in der Besiedlung. Die Sachsen wurden Alleinbesitzer dieses Gebiets. Schauen ist dem Namen nach eine der ältesten Siedlungen der Region. In der ursprünglichen Form hatte der Ortsname keine Endung und bezeichnete einen Ort, von dem aus man einen guten Blick ( Schau ) hatte. Solche Ortsnamen wurden nur bis zum Jahr 200 verwendet. Die Sachsen waren es wahrscheinlich auch, die auf dem heutigen Wahrberg eine Befestigung anlegten und somit den Ort gründeten. Diese Befestigung ist vermutlich in den Kriegswirren des 10. und 11. Jahrhunderts untergegangen.
Der ersten Besitzer von Schauen haben sich nach dem Ort ihres Besitzes die Herren von Aschauen genannt. In der Familie der Herren von Schauen überwog im 13. und 14. Jahrhundert das Rittertum. Wann sie ihren Hauptsitz in Schauen aufgegeben haben, ist nicht zu ermitteln. Gegen Ende des 12. Jahrhunderts tauchen die Herren von Kotze unter den Hauptbesitzern auf. Etwa zu Jener Zeit kam Schauen in den Besitz des Klosters Walkenried. Die Zisterziensermönche waren Pioniere der landwirtschaftlichen Kultur. Sie legten bisher nicht genutztes Land trocken und kultivierten es.
Das Mittelalter war gekennzeichnet von vielen Streitigkeiten und verschiedenen Besitzern. Im 15. Jahrhundert stritten sich der Bischof zu Halberstadt mit dem Stolberger Grafen um Schauen. 1457 vermachte Kaiser Friedrich die Advocati über Walkenried und dessen Güter dem Herzog von Sachsen. 1530 verkaufte Walkenried den Hof Schauen an die Grafen zu Stolberg, jedoch mit Wiederkaufsrecht. 1546 verpfändeten die Grafen Stolberg den Hof und das Dorf Schauen an Ulrich von Weberling, dem es 1562 ganz gehörte. 1569 wurde Walkenried Gläubiger und verpachtete Schauen an Osterwieck. Stolberg beklagte sich darüber, danach wechselte Schauen mehrmals zwischen Osterwieck und Stolberg. 1601 verpfändeten die Grafen Stollberg Schauen an den Statz von Münchhausen, 1610 überließen sie es ihm ganz. 1616 kam Schauen in den Besitz des Domkapitels Halberstadt.
Im 30jährigen Krieg wurde Schauen mehrmals eingenommen und geplündert. Deshalb gibt es auch heute im Ort keine Gebäude aus älterer Besiedlungszeit. Nach dem Westfälischen Frieden 1648 kam Schauen zu den Herzögen von Braunschweig. Herzog Christian Ludwig schenkte es 1670 dem Grafen von Waldeck.
Oft hat es Streitigkeiten mit Osterwieck gegeben. Die von Gewalttätigkeiten begleitet waren. Sie hatten ihren Ursprung im 16. Jahrhundert. Zunächst, als Schauen vom Kloster Walkenried an die Stadt Osterwieck verpachtet wurde. Wenig später wurde dieses Feuer geschürt durch den Streit um einen Klosterhof in Osterwieck zwischen Graf Stolberg als Besitzer von Schauen sowie der Stadt Osterwieck. In den Jahrhunderten währenden Streitigkeiten ging es vor allem um Landbesitz. Regelrechte Kriege, wenn auch unblutige, wurden 1671 und 1688 ausgetragen. Die Anlässe wären aus heutiger Sicht nichtig: 1671 sollen die Osterwiecker auf Schauener Gebiet Weiden gefällt und abgefahren haben. 1688 ging es um zwei Jungen, denen Osterwiecker zwei Pferde wegnahmen, weil diese im Osterwiecker Weizen geweidet hatten.

 

 

Über 300 Jahre eine Schule

Mindestens ab 1648 hat in Schauen eine Schule existiert. Das Schulegebäude war damals recht primitiv. Über 220 Jahre, bis 1870, wurden die Kinder von einem Lehrer unterrichtet. Diese waren im Dorf recht unterschiedlich angesehen. Lehrer Schwalenberg wollten die Einwohner 1895 mit Gewalt vertreiben, es war daraufhin militärische Hilfe zum Schutz des Lehrers verlangt worden. Ganz anders behandelte man Lehrer Mertens, der im Dorf bei Erwachsenen und Kindern beliebt war. Er war ab 1859 über 50 Jahre in Schauen tätig.
Bei seinem Dienstantritt unterrichtete er 86 Kinder. Während seiner Amtszeit, 1864, bezog die Schule ein neuerrichtetes Haus, denn das alte war baufällig. Die Kinder gingen vorübergehend in die Kirche zum Unterricht. In den folgenden Jahren nahm die Kinderzahl stark zu, 1866 wurden 62 Jungen und 60 Mädchen gezählt. Vier Jahre später wurde daraufhin eine zweite Lehrerstelle in Schauen geschaffen. Die bislang eine Klasse wurde geteilt - die eine hatte vormittags, die andere nachmittags Unterricht. 1870/71 wurde das Gebäude für eine zweiten Klassenraum aufgestockt. Unterricht war solange in der Kirche und im Gasthaus.
Schauen hatte bis 1972 eine eigene Schule, seitdem fahren die Kinder aus dem Ort nach Osterwieck. Das Schulgebäude ist heute Wohnhaus (Schulstraße 7).

 

 

 

1952 ans Freibad erinnert

Schauen verfügt seit 1952 über ein eigenes Freibad. Den Beschluss dazu fassten die Gemeindeväter allerdings schon wesentlich früher, während des Dritten Reiches in den Jahren 1936 bis 1938. In jener Zeit wurde auch mit dem Bau begonnen, die beiden Seitenwände wurden errichtet. Es kam jedoch der zweite Weltkrieg, Gelder waren knapp, der Bau musste eingestellt werden. Bis 1952 verkam das Bad mit den Jahren zum Mülllagerplatz.
in jenem Jahr hatte die Maul- und Klauenseuche Schauen heimgesucht.

  Die Männer aus dem Ort, die außerhalb Arbeit hatten, durften Schauen wegen der Quarantäne nicht verlassen. In der Gemeinde besann man die auf das Freibad-Projekt. Die Männer wurden zu Arbeitseinsätzen fürs Bad verpflichtet. Die Anlage wurde entrümpelt, Die Giebelwände, Fußboden und Umkleidekabinen wurden fertiggestellt.
Zu DDR-Zeiten ließ man nur dringend notwendige Reparaturen vornehmen, ab 1990 wurden eine Toiletteanlage und ein Kiosk gebaut und das Umfeld auf Vordermann gebracht. Die Gemeinde hat eine Gestaltungskonzeption erarbeiten lassen. Für ein saniertes Bad sind allerdings eine Million Mark erforderlich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In der DDR

Im Zeichen der Landwirtschaft

Am Ende des zweiten Weltkriegs war Schauen zunächst von Amerikanern besetzt, bevor die Russen dieses Gebiet übernahmen. Unter Kriegszerstörungen hatte das Dorf nicht zu leiden. Wohl aber vernichteten die Russen eine kostbare Bibliothek der Familie Grote. Die Bücher wurden aus dem Schloss geworfen und verbrannt.
Das Rittergut der Familie Grote wurde durch die Alliierten enteignet. Die Ländereien, Vieh und Ackergeräte wurden im Zuge der Bodenreform 1946 aufgeteilt, so dass es viele kleine Einzelbauern im Dorf gab. Jeder hatte 7 bis 7.5 Hektar Acker zum bewirtschaften erhalten. Viele Neusiedler hatten von Landwirtschaft jedoch keine Ahnung und gaben schnell wieder auf. Außer diesen Einzelbauern gab es Alt-Bauern, die versuchten, ihre Existenz zu sichern.
1951 wurde die LPG "Max Reimann" mit etwa zehn Neubauern gegründet. Viele sträubten sich dagegen. Aber 1954 wurde so starker Druck ausgeübt, dass 1955 alle Neubauern der LPG Typ III angehörten. Während die Alt-Bauern Typ I wurden, den Acker gemeinsamen bewirtschafteten und die Ernte aufteilten, blieb der Viehbestand Eigentum eines jeden Bauern. Später schlossen sich die Typ-I-Bauern der LPG "Max Reimann" an.
1974 wurde die Kooperative Abteilung Pflanzenproduktion Osterwieck gegründet. Äcker und Viehwirtschaft wurden getrennt. Am 1. Januar 1978 entstand die LPG Pflanzenproduktion. Aus den Tierproduktionsbetrieben Osterwieck, Berßel und Schauen wurde die LPG Tierproduktion "Wilhelm Pieck" Schauen mit etwa 120 Mitgliedern gebildet.
Die Landwirtschaft hatte aber einen negativen Beigeschmack. Die Gülle aus der LPG Tierproduktion - dort standen zur Wende 3500 Mastrinder und 5000 Schafe - wurde zum Teil mehrschichtig auf den Äckern ausgefahren. Das führte zur Nitratbelastung des Trinkwassers.
In den 60er Jahren war in Schauen noch häufiger Gewerbe anzutreffen - es gab einen Sattler, Schuster, Bäcker, einen Konsum, zwei Gaststätten. Später konzentrierte sich die gewerbliche Arbeit voll auf die LPG.
Höhepunkt im Leben der 70er Jahre war die 1000 Jahr-Feier Schauens 1973.
1972 baute der Konsum am Rande des Parks eine Kaufhalle. Sie wurde bis 1991 vom Konsum und anschließend bis zum Frühjahr 1993 noch als Harso-Markt betrieben. Mangels Kundschaft wurde das Geschäft geschlossen. Die leerstehende Immobilie kaufte 1996 die Gemeinde von der Treuhand.
Schauen lag nie im Sperrgebiet. war aber von der innerdeutschen Grenze all die Jahre berührt. Als sich das Schauener Gebiet als Schwerpunkt von Republikfluchten entwickelte, wurde das Sperrgebiet ausgedehnt. Es führte nun entlang der Straßen Osterwieck-Schauen und Schauen-Stapelburg bis zum Rand des Schauener Holzes. Dort stand der Schlagbaum mit einem Kontrollturm. Schwierig war diese Situation vor allem für die Landwirte, da sie einen Teil ihrer Arbeit im Sperrgebiet leisteten und einen Passierschein benötigten. Auch das Schauener Holz mit seinem Forsthaus war nur für Auserwählte zugänglich.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nach der Wende

Sauberes Wasser musste her

Durch die politische Wende und die damit verbundenen Grenzöffnung 1989 lag Schauen plötzlich wieder in der Mitte Deutschlands. Der Schauener Wald konnte wieder betreten werden. Ganz in der Nähe, in Stapelburg, befand sich ein Grenzübergang. Damit war aber auch eine größere Verkehrsbelastung für den Ort verbunden.
Die erste Aufgabe des im Jahre 1990 gewählten Gemeinderates war es, die Trinkwasserversorgung zu verbessern. Alle Haushalte hatten noch Brunnen, die nitrathaltiges Wasser lieferten. Im Sommer 1991 begannen die Bauarbeiten für ein Trinkwassernetz in Schauen, nachdem sich die Gemeinde im April des Jahres noch an Bundesumweltminister Klaus Töpfer wegen der schlechten Wasserqualität gewandt hatte. Selbst im Fernsehen (ZDF) wurde über die Schauener Trinkwassernot berichtet. Heute wird sauberes Wasser aus Wasserleben über Berßel nach Schauen gepumpt.
Nachdem das Dorf neue Energie- und Telefonkabel und auch ein Erdgasnetz erhielt, begann 1993 die Abwassererschließung. 1996 war das Dorf komplett angeschlossen. die Abwässer werden zum Klärwerk Osterwieck geleitet.
Eine so nie erwartete Entwicklung nahm das Gewerbe in Schauen. Während anderenorts immer mehr Betriebe schlossen, folgten hier zahlreiche Neuansiedlungen. Das alteingesessene Osterwiecker Backhaus Siemer nahm im Februar 1994 in einem Neubau am Ortsrand seine Produktion auf. In Schauen feierte es im Oktober 1997 sein 100jähriges Bestehen. Zu dem Zeitpunkt hatte das Unternehmen 76 Mitarbeiter.
Nachdem die Gründung einer Agrargenossenschaft als LPG-Nachfolgerin gescheitert war, bildete sich die Schulze/Schulze GbR, die die landwirtschaftliche Tradition fortsetzt. Inzwischen hatte sich auch eine Landfleischerei (die jetzt aber nicht mehr da ist), die von diesem Wiedereinrichter bedient wurde, etabliert. Zu den größten Firmen gehören weiterhin die Schauener Dachbau GmbH, Breiting Sicherungstechnik und Bauelemente Zadlovski. Insgesamt 12 Gewerbetreibende arbeiten im Dorf.
Praktisch ein neues Aussehen hat Schauen seit 1993 durch die Dorferneuerungen erhalten. Aber es waren auch die kleinen Dinge, die das Dorf lebenswerter machten. 1993 wurde im Park ein Spielplatz angelegt. Der Jugendklub wurde renoviert, die Straßen wurden neu beschildert, Straßennamen und Hausnummern reguliert, ein Reiterhof entstand. Viel tat sich im Grünlandbereich. Der Park wurde 1996 gestaltet, im selben Jahr der Bauernteich entschlammt und sein Umfeld neu gestaltet. Jetzt führt ein Weg um dieses kleine Gewässer. Der Krankenteich wurde 1997 wieder "gesund" - oder besser: zum Leben erweckt. Denn dieser war überhaupt nicht mehr vorhanden. Möglich wurde das alles durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen.
Schauen machte aber auch weit über seine Grenzen hinaus von sich Reden. Die Gemeinde trat nicht der 1993 gegründeten Verwaltungsgemeinschaft Osterwieck bei. Sie bewahrte bis zum 31. März 1994 ihre politische Selbstständigkeit. Erst durch eine Verordnung des Innenministeriums Sachsen -Anhalt wurde Schauen der Verwaltungsgemeinschaft zugeordnet.
Bekannt wurde Schauen weiterhin durch das Fernsehen, das im November 1995 auf dem Reiterhof eine Folge der ARD-Krimiserie "Polizeiruf 110" drehte. Sie wurde im März 1996 gesendet.
Und schließlich war es auch ein besonderer Augenblick, als Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reinhard Höppner 1995 Schauen einen Besuch abstattete.

 

 

 


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